Abbau der Hauptorgel hat begonnen

Nach dem „letzten Konzert auf der alten Orgel“, welches Basilika-Organistin Annette Müller zusammen mit ihren gelegentlichen Vertretern Franz Schnieringer und Martin Schwendke bestritten hatte, wurde umgehend mit dem Abbau der Hauptorgel in St. Jakob begonnen.
Jiří Kocourek, künstlerischer Leiter bei der Hermann Eule Orgelbau GmbH aus Bautzen, entfernte die ersten Pfeifen aus dem Prospekt der Hauptorgel in der Basilika St. Jakob.

Eine neue Orgel für die Basilika St. Jakob

von Gerhard Siegl, amtl. Orgelsachverständiger in der Diözese Regensburg

Warum eine neue Orgel?

Bereits seit über 25 Jahren verfolgen Verantwortliche der Pfarrgemeinde St. Jakob in Straubing sowie die Mitglieder des „Orgelbau-Fördervereins St. Jakob e.V.“ das Ziel, die finanziellen Mittel für die Anschaffung einer neuen Orgel in der Basilika St. Jakob bereitzustellen.

An dem 1964/67 von Friedrich Meier aus Plattling erbauten Instrument, bestehend aus Haupt- und Chororgel zeigten sich schon nach 25 Jahren klangliche und technische Mängel, die von immer wieder auftretenden Funktionsstörungen begleitet wurden.

Das klangliche Konzept beruhte noch auf den Ideen der sogenannten Orgelbewegung, die ein neobarockes Klangbild mittels vieler hoher und spitzer Klangfarben realisiert, dabei aber  gleichzeitig einen breiten, weichen und wandlungsfähigen Grundklang vernachlässigt. Mit dieser – aus heutiger Sicht – falsch verstandenen Interpretation des barocken Orgelklangs konnte den akustischen Ansprüchen des großen Kirchenraumes kaum entsprochen werden.    

Hinzu kam die zum Zeitpunkt der Erbauung schon nicht mehr aktuelle Technik mit Verwendung von Kegelladen mit elektrischer Orgelsteuerung, deren Ausführung den heutigen Sicherheits- und Funktionsstandards der Elektrotechnik nicht mehr entspricht.

Dies bestätigten mehrere Stellungnahmen und Gutachten, die konkrete Projektphase begann schließlich mit der Erstellung eines weiteren Gutachtens im Jahr 2011 durch den derzeit zuständigen Orgelsachverständigen der Diözese Regensburg Gerhard Siegl.

Werdegang/Auswahl

Nach der Innenrenovierung der Basilika wurden bereits erste Angebote bei namhaften Orgelbaufirmen eingeholt und letztlich wurde nach umfassender Bewertung der eingegangenen Vorschläge sowie zahlreicher Besichtigungen verschiedener Instrumente im Frühjahr 2017 die Entscheidung getroffen, den Auftrag an die seit 1872 bestehende Bautzener Orgelbaufirma Eule zu vergeben.

Somit fanden die langjährigen Bemühungen am 16. November 2017 ihren vorläufigen Höhepunkt: zwischen der Kirchenstiftung St. Jakob Straubing und der Firma Hermann Eule Orgelbau GmbH aus Bautzen in Sachsen wurde der Vertrag zum Bau eines neuen Instruments unterzeichnet.

Wie wird die neue Orgel ?

Das grundlegende Konzept der Orgel für die Basilika St. Jakob beruhte zunächst auf den vorhandenen Parametern von Raum und Orgelgehäuse; dies bedeutet, dass die derzeitigen Standorte von Haupt- und Chororgel beibehalten werden. Nicht nur dieses, auch das Gehäuse der früheren Maerz-Orgel aus dem Jahr 1898 wird für die Hauptorgel ebenfalls wieder verwendet; die Chororgel in der Nische über dem Sakristei-Eingang wird hingegen einen neuen Prospekt erhalten.

Weitere intensive Überlegungen, zahlreiche Gespräche sowie der Gedankenaustausch mit  international tätigen Organisten-Kollegen und nicht zuletzt der ausführenden Firma ließen das Projekt auf dem Weg der weiteren künstlerisch-musikalischen wie auch technischen Entwicklung weiterhin reifen.

So wird auf dem aktuellen Planungsstand ein Instrument realisiert werden, dessen Konzept geprägt ist von der Möglichkeit, die wichtigsten Bereiche der Orgelmusik aus den letzten Jahrhunderten bis hin zur Gegenwart in umfassender Weise darstellen zu können. Wichtige Maxime hierbei ist die Berücksichtigung der akustischen Vorgaben, die der große Raum der Basilika St. Jakob macht. Der besondere Fokus hierbei liegt auf dem Repertoire des mittel- und norddeutschen Barock sowie der Romantik, deren deutsche und französische Provenienz auch die Musik in England, den USA und weiteren Regionen nachhaltig bis in das 20. Jahrhundert hinein geprägt hat.

Auf der Prinzipalbasis der 16‘-Lage bildet das Hauptwerk das klangliche Rückgrat, welches wiederum vom Pedal auf 32‘-Basis fundamentiert wird. Ein großes Oberwerk legt den Fokus auf die wichtigen Bereiche des mittel- und norddeutschen Barock.

Bedeutend für die Entwicklungen in Instrumentenbau und Musik ist die Phase der musikalischen Romantik im 19. Jahrhundert; das hier angestrebte Klangbild wird repräsentiert im Klangfundus zweier unterschiedlicher Werke: einerseits im stark besetzten Récit-Orchestral (III. Manual) die französische, symphonisch geprägte Romantik; andererseits die deutsche Klangtradition des 19. Jahrhunderts mit seinen kleiner besetzten Schwellwerken im Sinne einer fein ausnuancierten Klangfarben-Palette, die sich im Echo-Schwellwerk (IV. Manual) findet. Diese beiden schwellbaren Manualwerke mit ihren insgesamt 30 klingenden Registern sind überdies in der Lage, der gesamten Orgel eine eminente klangliche Dynamik zu verleihen.

Alle vier Manualwerke wie auch das Pedal befinden sich gemäß traditioneller und erprobter Bauweise auf Schleifladen, die über mechanische Tontrakturen vom Spieltisch auf der Empore aus angespielt werden.

Als Ergänzung um spezifische Klangbereich aus der französischen wie auch anglo-amerikanischen Spätromantik ist das Solo zu verstehen; dieses aus sechs Registern bestehende Werk erhält  aufgrund höheren Winddruckes rein elektrische betätigte Tonventile und ist hierdurch auf jedes der vier Manuale beliebig zuschaltbar.

Die Chororgel – wie schon bisher auf zwei Manualwerke und Pedal aufgeteilt – erhält nun ebenfalls ein dynamisch differenzierbares Schwellwerk. Neben seiner Aufgabe der „klanglichen Verlängerung“ der Hauptorgel in den Altarraum hinein wird dieses über dem Sakristei-Eingang befindliche Werk infolge der Bereicherung um zusätzliche neue Klangfarben gleichzeitig musikalisch eigenständiger profiliert sein als bisher.

Eine räumliche, wie auch stilistisch-klangliche Erweiterung stellt das kleine, auf dem Kirchendachboden befindliche Fernwerk dar, welches seinen sphärischen und indirekt wahrgenommenen Klang nach spätromantischer Manier über das Heilig-Geist-Loch in den Kirchenraum entsenden wird – eine wirklich besondere klangliche Note.

In dieser Form wird das neue Instrument über insgesamt 98 klingende Register und fünf  Transmissionen verfügen, die klingenden Register beinhalten dabei sechs Registerauszüge (Extensionen).

Neben dem Spieltisch auf der Empore wird die neue Orgelanlage in St. Jakob wieder über einen zweiten Spieltisch im Altarraum verfügen; im Gegensatz zum derzeitigen wird der neue Spieltisch dort fahrbar sein und über eine zum Emporen-Spieltisch identische Ausstattung verfügen. Auf vier Manual-Klaviaturen (Umfang C-c4) sowie dem Pedal (Umfang C-g1) sind hier alle Werke der neuen Orgel mittels elektrischer Trakturen spiel- und individuell registrierbar. Zum Ausstattungsstandard gehört eine moderne elektronische Orgelsteuerung gemäß den Vorbildern neuester Orgelanlagen mit umfangreicher Setzeranlage und weiteren Bedienungsmöglichkeiten über ein Touchpad.

Die Fertigstellung der Hauptorgel ist vorgesehen für Dezember 2019, Chororgel und Fernwerk auf dem Dachboden werden zu Ostern 2020 folgen.

Mit diesem Jahrhundert-Projekt verbindet sich die Erwartung an eine über lange Zeit  gültige  Orgelanlage, welche entsprechend der Bedeutung des Kirchenraumes im Stande sein wird, die musikalischen und künstlerischen Ansprüche umfassend zu erfüllen.

Bestellung neue Eule-Orgel

Nach einer Ansparphase von über 26 Jahren konnte nunmehr der Orgelbau-Werkvertrag mit der Firma Hermann EULE Orgelbau GmbH aus Bautzen unterschrieben werden.
Die neue Hauptorgel wird Ende 2019 in der Basilika St. Jakob erklingen können, neue Chororgel und Fernwerk werden 2020 folgen.

Unterzeichnung Orgelbau-Werkvertrag
Pfarrer Jakob Hofmann unterschreibt den Orgelbau-Werkvertrag mit der Firma Hermann EULE Orgelbau GmbH aus Bautzen.