{"id":15,"date":"2018-07-18T15:00:36","date_gmt":"2018-07-18T15:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/orgelneubau.de\/?p=15"},"modified":"2019-08-19T06:20:28","modified_gmt":"2019-08-19T06:20:28","slug":"eine-neue-orgel-fuer-die-basilika-st-jakob","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/orgelneubau.de\/?p=15","title":{"rendered":"Eine neue Orgel f\u00fcr die Basilika St. Jakob"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><em>von Gerhard Siegl, amtl. Orgelsachverst\u00e4ndiger in der Di\u00f6zese Regensburg<\/em><\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Warum eine neue Orgel?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits\n seit \u00fcber 25 Jahren verfolgen Verantwortliche der Pfarrgemeinde St. \nJakob in Straubing sowie die Mitglieder des \u201eOrgelbau-F\u00f6rdervereins St. \nJakob e.V.\u201c das Ziel, die finanziellen Mittel f\u00fcr die Anschaffung einer \nneuen Orgel in der Basilika St. Jakob bereitzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dem 1964\/67 von Friedrich Meier aus Plattling erbauten Instrument, bestehend aus Haupt- und Chororgel zeigten sich schon nach 25 Jahren klangliche und technische M\u00e4ngel, die von immer wieder auftretenden Funktionsst\u00f6rungen begleitet wurden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das klangliche Konzept beruhte noch auf den Ideen der sogenannten Orgelbewegung, die ein neobarockes Klangbild mittels vieler hoher und spitzer Klangfarben realisiert, dabei aber&nbsp; gleichzeitig einen breiten, weichen und wandlungsf\u00e4higen Grundklang vernachl\u00e4ssigt. Mit dieser &#8211; aus heutiger Sicht &#8211; falsch verstandenen Interpretation des barocken Orgelklangs konnte den akustischen Anspr\u00fcchen des gro\u00dfen Kirchenraumes kaum entsprochen werden. &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu\n kam die zum Zeitpunkt der Erbauung schon nicht mehr aktuelle Technik \nmit Verwendung von Kegelladen mit elektrischer Orgelsteuerung, deren \nAusf\u00fchrung den heutigen Sicherheits- und Funktionsstandards der \nElektrotechnik nicht mehr entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies\n best\u00e4tigten mehrere Stellungnahmen und Gutachten, die konkrete \nProjektphase begann schlie\u00dflich mit der Erstellung eines weiteren \nGutachtens im Jahr 2011 durch den derzeit zust\u00e4ndigen \nOrgelsachverst\u00e4ndigen der Di\u00f6zese Regensburg Gerhard Siegl.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Werdegang\/Auswahl<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach\n der Innenrenovierung der Basilika wurden bereits erste Angebote bei \nnamhaften Orgelbaufirmen eingeholt und letztlich wurde nach umfassender \nBewertung der eingegangenen Vorschl\u00e4ge sowie zahlreicher Besichtigungen \nverschiedener Instrumente im Fr\u00fchjahr 2017 die Entscheidung getroffen, \nden Auftrag an die seit 1872 bestehende Bautzener Orgelbaufirma Eule zu \nvergeben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Somit\n fanden die langj\u00e4hrigen Bem\u00fchungen am 16. November 2017 ihren \nvorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt: zwischen der Kirchenstiftung St. Jakob Straubing \nund der Firma Hermann Eule Orgelbau GmbH aus Bautzen in Sachsen wurde \nder Vertrag zum Bau eines neuen Instruments unterzeichnet.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie wird die neue Orgel?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das\n grundlegende Konzept der Orgel f\u00fcr die Basilika St. Jakob beruhte \nzun\u00e4chst auf den vorhandenen Parametern von Raum und Orgelgeh\u00e4use; dies \nbedeutet, dass die derzeitigen Standorte von Haupt- und Chororgel \nbeibehalten werden. Nicht nur dieses, auch das Geh\u00e4use der fr\u00fcheren \nMaerz-Orgel aus dem Jahr 1898 wird f\u00fcr die Hauptorgel ebenfalls wieder \nverwendet; die Chororgel in der Nische \u00fcber dem Sakristei-Eingang wird \nhingegen einen neuen Prospekt erhalten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere intensive \u00dcberlegungen, zahlreiche Gespr\u00e4che sowie der Gedankenaustausch mit&nbsp; international\n t\u00e4tigen Organisten-Kollegen und nicht zuletzt der ausf\u00fchrenden Firma \nlie\u00dfen das Projekt auf dem Weg der weiteren k\u00fcnstlerisch-musikalischen \nwie auch technischen Entwicklung weiterhin reifen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So\n wird auf dem aktuellen Planungsstand ein Instrument realisiert werden, \ndessen Konzept gepr\u00e4gt ist von der M\u00f6glichkeit, die wichtigsten Bereiche\n der Orgelmusik aus den letzten Jahrhunderten bis hin zur Gegenwart in \numfassender Weise darstellen zu k\u00f6nnen. Wichtige Maxime hierbei ist die \nBer\u00fccksichtigung der akustischen Vorgaben, die der gro\u00dfe Raum der \nBasilika St. Jakob macht. Der besondere Fokus hierbei liegt auf dem \nRepertoire des mittel- und norddeutschen Barock sowie der Romantik, \nderen deutsche und franz\u00f6sische Provenienz auch die Musik in England, \nden USA und weiteren Regionen nachhaltig bis in das 20. Jahrhundert \nhinein gepr\u00e4gt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf\n der Prinzipalbasis der 16\u2018-Lage bildet das Hauptwerk das klangliche \nR\u00fcckgrat, welches wiederum vom Pedal auf 32\u2018-Basis fundamentiert wird. \nEin gro\u00dfes Oberwerk legt den Fokus auf die wichtigen Bereiche des \nmittel- und norddeutschen Barock.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bedeutend\n f\u00fcr die Entwicklungen in Instrumentenbau und Musik ist die Phase der \nmusikalischen Romantik im 19. Jahrhundert; das hier angestrebte \nKlangbild wird repr\u00e4sentiert im Klangfundus zweier unterschiedlicher \nWerke: einerseits im stark besetzten R\u00e9cit-Orchestral (III. Manual) die \nfranz\u00f6sische, symphonisch gepr\u00e4gte Romantik; andererseits die deutsche \nKlangtradition des 19. Jahrhunderts mit seinen kleiner besetzten \nSchwellwerken im Sinne einer fein ausnuancierten Klangfarben-Palette, \ndie sich im Echo-Schwellwerk (IV. Manual) findet. Diese beiden \nschwellbaren Manualwerke mit ihren insgesamt 30 klingenden Registern \nsind \u00fcberdies in der Lage, der gesamten Orgel eine eminente klangliche \nDynamik zu verleihen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle vier Manualwerke wie auch das Pedal befinden\n sich gem\u00e4\u00df traditioneller und erprobter Bauweise auf Schleifladen, die \n\u00fcber mechanische Tontrakturen vom Spieltisch auf der Empore aus \nangespielt werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als\n Erg\u00e4nzung um spezifische Klangbereich aus der franz\u00f6sischen wie auch \nanglo-amerikanischen Sp\u00e4tromantik ist das Solo zu verstehen; dieses aus \nsechs Registern bestehende Werk erh\u00e4lt&nbsp; aufgrund\n h\u00f6heren Winddruckes rein elektrische bet\u00e4tigte Tonventile und ist \nhierdurch auf jedes der vier Manuale beliebig zuschaltbar. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die\n Chororgel &#8211; wie schon bisher auf zwei Manualwerke und Pedal aufgeteilt &#8211;\n erh\u00e4lt nun ebenfalls ein dynamisch differenzierbares Schwellwerk. Neben\n seiner Aufgabe der \u201eklanglichen Verl\u00e4ngerung\u201c der Hauptorgel in den \nAltarraum hinein wird dieses \u00fcber dem Sakristei-Eingang befindliche Werk\n infolge der Bereicherung um zus\u00e4tzliche neue Klangfarben gleichzeitig \nmusikalisch eigenst\u00e4ndiger profiliert sein als bisher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine\n r\u00e4umliche, wie auch stilistisch-klangliche Erweiterung stellt das \nkleine, auf dem Kirchendachboden befindliche Fernwerk dar, welches \nseinen sph\u00e4rischen und indirekt wahrgenommenen Klang nach \nsp\u00e4tromantischer Manier \u00fcber das Heilig-Geist-Loch in den Kirchenraum \nentsenden wird \u2013 eine wirklich besondere klangliche Note.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Form wird das neue Instrument \u00fcber insgesamt 98 klingende Register und f\u00fcnf&nbsp; Transmissionen verf\u00fcgen, die klingenden Register beinhalten dabei sechs Registerausz\u00fcge (Extensionen). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben\n dem Spieltisch auf der Empore wird die neue Orgelanlage in St. Jakob \nwieder \u00fcber einen zweiten Spieltisch im Altarraum verf\u00fcgen; im Gegensatz\n zum derzeitigen wird der neue Spieltisch dort fahrbar sein und \u00fcber \neine zum Emporen-Spieltisch identische Ausstattung verf\u00fcgen. Auf vier \nManual-Klaviaturen (Umfang C-c<sup>4<\/sup>) sowie dem Pedal (Umfang C-g<sup>1<\/sup>)\n sind hier alle Werke der neuen Orgel mittels elektrischer Trakturen \nspiel- und individuell registrierbar. Zum Ausstattungsstandard geh\u00f6rt \neine moderne elektronische Orgelsteuerung gem\u00e4\u00df den Vorbildern neuester \nOrgelanlagen mit umfangreicher Setzeranlage und weiteren \nBedienungsm\u00f6glichkeiten \u00fcber ein Touchpad.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die\n Fertigstellung der Hauptorgel ist vorgesehen f\u00fcr Dezember 2019, \nChororgel und Fernwerk auf dem Dachboden werden zu Ostern 2020 folgen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit diesem Jahrhundert-Projekt verbindet sich die Erwartung an eine \u00fcber lange Zeit&nbsp; g\u00fcltige&nbsp; Orgelanlage,\n welche entsprechend der Bedeutung des Kirchenraumes im Stande sein \nwird, die musikalischen und k\u00fcnstlerischen Anspr\u00fcche umfassend zu \nerf\u00fcllen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits seit \u00fcber 25 Jahren verfolgen Verantwortliche der Pfarrgemeinde St. Jakob in Straubing sowie die Mitglieder des \u201eOrgelbau-F\u00f6rdervereins St. Jakob e.V.\u201c das Ziel, die finanziellen Mittel f\u00fcr die Anschaffung einer neuen Orgel in der Basilika St. Jakob bereitzustellen.<br \/>\nDie langj\u00e4hrigen Bem\u00fchungen fanden am 16. November 2017 ihren vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt: Zwischen der Kirchenstiftung St. Jakob Straubing und der Firma Hermann Eule Orgelbau GmbH aus Bautzen in Sachsen wurde der Vertrag zum Bau eines neuen Instruments unterzeichnet. Wie wird nun die neue Orgel?<br \/>\n<a href=\"http:\/\/orgelneubau.de\/?p=15\">Weiterlesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-15","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/orgelneubau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/orgelneubau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/orgelneubau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/orgelneubau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/orgelneubau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/orgelneubau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98,"href":"http:\/\/orgelneubau.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15\/revisions\/98"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/orgelneubau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/orgelneubau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/orgelneubau.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}